Warum kein Freispiel für Welpen (bis 5 Monate)?

Was lernen Welpen beim Freispiel in der Spielstunde?

 

  • Sie dürfen mit jedem Hund toben
  • Hunde spielen besser als Menschen 
  • Weglaufen bei Problemen ist immer eine gute Idee
  • Hinterherjagen fühlt sich toll an
  • ...

 

Freispiel ist für die meisten Welpen große Begeisterung. Der Erregungslevel ist hoch. Der hemmungsloser Umgang mit Artgenossen wird eingeübt. Wichtige Signale wie Knurren, Beschwichtigen werden im Eifer nicht beachtet, die Beißhemmung lässt nach und jeder Hund wird als Spielpartner angesehen. Möchte der Hundehalter seinen Welpen abrufen/anleinen sieht dieser ihn sehr schnell zum Spielverderber. Er wird die zweite Wahl für seinen Hund und hat Mühe ihn zu begeistern für Spiele mit ihm, geschweige für das Herkommen, Anleinen, Leinelaufen…

 

Auch der gesundheitliche Aspekt sollte verantwortungsbewußt beachtet werden. Im Freispiel, besonders bei erheblichen Größen- und Gewichtsunterschieden, kann es schnell zu kaum wahrnehmbaren Knorpelschädigungen kommen. Die Gefahr besteht, dass diese nicht richtig ausheilen können (beim Toben ist das Schmerzempfinden herabgesetzt) und somit bereits in jungen Jahren die Arthrose begünstigt wird. Der Hund büßt hier frühzeitig an Lebensqualität ein. 

 

Werden ängstliche Welpen durch Freispiel nicht mutiger?

Freispiel ist für ängstliche Welpen Stress pur. Vielfach soll der Welpe seine Angst im Freispiel selbst überwinden, in dem Frauchen/Herrchen ihn ignorieren sollen, wenn er bei ihnen Schutz sucht. Der Welpe lernt, dass er keine Unterstützung von seinen Bezugspersonen erwarten kann und das Weglaufen nichts nützt. Er wird dadurch entweder noch ängstlicher, gar traumatisiert oder sein Verhalten schlägt in seiner Not in das Gegenteil um. Seine Lösungsstrategie wird grobes Verhalten gegenüber anderen Hunden. Die Bindung zu seinen Menschen leidet in jedem Fall und seine Artgenossen sind für ihn wie ein rotes Tuch.

 

Der Hund aus der Spielstunde wird älter:

Beim Anblick von anderen Hunden steigt sein Erregungslevel, die Selbstkontrolle und die Schmerzempfindung nimmt ab. Es entstehen Begegnungsprobleme, wenn der angeleinte Hund nicht mit dem Begegnungshund spielen darf. Der frustrierte Hund zeigt daraufhin sehr schnell aggressives Verhalten.

 

Hetzen und Jagen war in der Welpenspielstunde schon toll. Auf einem Spaziergang flitzt ein Hase aus dem Unterholz. Der Hund ist sofort begeistert über dieses bekannte Spiel und hält gerne beim nächsten Spaziergang Ausschau nach weiteren Jagd-Highlights. Der Hund hat ein neues Hobby :-(

 

Deshalb erst Hundeknigge an der Leinen:

Bei mir lernen die Hunde richtiges Verhalten gegenüber seinen Artgenosssen an der Leine. Außerdem sind Frauchen/Herrchen immer gute Ansprechpartner für tolle Spiele, lustige Übungen, entspannende Kuschelzeiten und sicherer Zufluchtsort. Er hat vollstes Vertrauen in seinen Menschen. Wird das bereits in der Welpenzeit verankert, so haben Sie einen Hund der gerne auf die Angebote seines Menschen eingeht und sich souverän und gelassen gegenüber seinen Artgenossen verhält. 

 

Auch wir nehmen erst Fahrunterricht, um uns die entsprechenden Kenntnisse und Fähigkeiten anzueignen und uns mit den Regeln und Gefahren vertraut zu machen bevor wir sicher im Straßenverkehr bestehen können. Die "Trial-and-Error-Methoden" wäre in diesen Fall auch keine gute Idee. 

 

Das vorgenannte Beispiel ist zu technisch?

Ok: Auch Kleinkinder können sich nicht gegenseitig erziehen. Sie brauchen gute erwachsene Vorbilder, die ihnen das sinnvolle, gewünschte Verhalten liebevoll nahebringen und Grenzen aufzeigen, um ein harmonisches Miteinander möglich zu machen.